Wofür bezahlen wir unsere Abgeordneten eigentlich? (Update)
geschrieben am 2. April 2006 von dobschat, kategorie(n): Politik, urheberrecht, tags: Politik, urheberrecht, zeuch“Woher hat der meine Antwort und warum veröffentlicht er die?” – das war mein erster Gedanke beim Lesen des Beitrags von Chris. Aber nein, Chris hat einfach vom Abgeordneten Ortwin Runde (SPD, Hamburg) den gleichen Brief bekommen wie ich von der Abgeordneten Anette Hübinger (CDU, Saarbrücken). Offensichtlich werden hier nicht nur Textbausteine verwendet, sondern ein fraktionsübergreifender Standardbrief! Da ergeben sich doch einige Fragen:
- Wer hat den Brief geschrieben? Stammt der Brief aus dem Justizministerium? Oder wurde der von den Fraktionspitzen formuliert und verteilt? Oder hat ihn der nette Lobbyist von der IFPI für die Abgeordneten formuliert?
- Sind wir den Abgeordneten egal? Man stellt eine Anfrage an “seinen” Abgeordneten und der hält es nicht mal für nötig, sich 5 Minuten mit der Anfrage zu beschäftigen oder wenigstens seine Mitarbeiter eine individuelle Antwort formulieren zu lassen?
- Wissen die Abgeordneten überhaupt, was sie da abnicken? Offenbar haben zumindest die beiden genannten Abgeordneten keine eigene Meinung, müssen sie doch bei Anfragen ihrer Wähler (man könnte auch “Arbeitgeber” sagen) auf einen Standardbrief (wie gesagt, ich wüsste gerne, wer den geschrieben hat) zurückgreifen. Haben die den Gesetzestext überhaupt gelesen? Sich damit auseinander gesetzt? Ich denke nicht…
- Wundert sich noch jemand über Politikverdrossenheit? Ich wundere mich nicht mehr…
Hat sonst noch jemand einen Abgeordneten nach dessen Meinung zur Novelle des Urheberrechts befragt und ebenfalls diesen Standardbrief bekommen? Oder hat vielleicht tatsächlich jemand eine echte Antwort bekommen?
Mal eine ganz dumme Frage: wie wäre es einfach mal den Spieß umzudrehen? Wenn die uns mit vorformulierten Standardbriefen antworten könnten wir doch auch mit einem Standardbrief nachfragen?
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Wer hat den Brief geschrieben? Eine gute Frage. ich gehe wirklich davon aus, dass hier die Arbeitsgruppe der Justizministerin Zypris in Zusammenarbeit mit der “Unterhaltungsindustire” diesen Brief formuliert hat und allen Abgeordneten der Regierungskoalition geschickt hat um unliebsame Anfragen zu beantworten.
Sind wir den Abgeordneten egal? Davon gehe ich mittlerweile aus, vielleicht schon mit 32 Jahren Altersweisheit.
Mal im Ernst: Ja, die Bürger sind den Politikern mittlerweile egal.
Wissen die Abgeordneten überhaupt, was sie da abnicken? Nein. Ich habe neulich irgendwo einen Bericht gesehen, da wurden Bundestagsabgeordnete nach denAbstimmungen gefragt, was sie da abgenickt haben (ähnlich wie es Michael Moore in den USA mit den Kongressmitgliedern nach dem Patroit Act gemacht hat). Der Großteil schwieg sich aus, es war sehr peinlich, das ganze.
Wundert sich noch jemand über Politikverdrossenheit? Nicht wirklich…
Gruß
Chris
Nachtrag:
Wahnsinn, ich sehe ja jetzt erst, dass Du an die CDU geschrieben hast. Da kann man doch nur noch mit dem Kopf schütteln…
Gruß
Chris
Ich habe die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass es doch noch ein paar Abgeordnete gibt, die sich noch ein wenig für das interessieren, was sie da tun… aber einen Grund für diesen Funken Hoffnung gibt es nicht wirklich…
Mal ein manueller Trackback:
http://www.agitpopblog.org/2006/04/urheberrechtsnovelle-ii-schriftverkehr.html
Ich habe exakt den selben Brief von meinem heimischen Abgeordneten, Herrn Herrmann von der CDU (Wahlkreis Höxter/Lippe II) erhalten und mir erlaubt, deinen Brief an Frau Hübinger in leicht abgeänderter Form an Herrn Herrmann zu schicken. Hoffe, das ist für dich in Ordnung.
Mein Vorschlag zu der Sache ist, dass wir mal herausfinden wie weit verbreitet diese Formbriefe eigentlich sind.
@Björn: natürlich geht das in Ordnung – ich denke auch, ich werde morgen aus meiner ersten Antwort mal eine Standardanfrage formulieren – was die können können wir auch…
Hy, tut mir doch ener von euch bitte mal den Gefallen und schickt mir euren text, den ihr verschickt habt. Ich erstelle daraus auch mal eine frage und sende die an hiesige Abgeordnete, die in Frage kommen. Dann kann der “Test” weitergehen.
ivamp: Was meine hier veröffentlichten Schreiben angeht: bedien Dich. Aber: ein eigenes Schreiben ist besser, sonst heisst es am Ende nur, Du hättest ja eh nur eine Standardmail geschrieben.
Mein Vorschlag: hol Dir Anregungen und Argumente aus den veröffentlichten Schreiben, formulier aber selbst was und lege den Schwerpunkt Deiner Anfrage selbst auf die Dir wichtigen Punkte (immerhin hat das neue Urheberrecht ja auch nicht gerade geringe Auswirkungen auf Forschung und Lehre) – denn bei einer individuellen Anfrage kann man auch eine individuelle Antwort erwarten. Schreibt man nur eine Standardmail muss man mit einer Standardantwort rechnen.
Ja, auch ich habe diesen Standardbrief erhalten. Aufgefallen ist es mir nur, da ich mich sowohl an das Bundesjustizministerium als auch direkt an meinen Wahlkreisabgeordneten gewandt hatte und von beiden die wortwörtlich gleiche Antwort erhalten habe.
@mojo: von welchem Abgeordneten denn? Dann kann ich den auch mal in die Liste eintragen.