Ich bin also unhöflich

geschrieben am 15. Februar 2009 von , kategorie(n): Allgemein, tags: , , , , , , ,

Wenn der Kerl uns nicht s gewaltig auf die Nerven fallen würde, dann wäre es ja schon lustig. Der Kerl ist der neue Eigentümer einer der Wohnungen im ersten Stock. Der ist eingezogen und hat gleich mal durch tage- und wochenlanges Hämmern und Schlagbohren mitgeteilt, dass er jetzt da sei. Mittagsruhe? Hausordnung? Nö… 

Also bin ich da dann runter zu ihm und hatte ihn darum gebeten, dass er doch zumindest in der Mittagszeit den Lärm einstellt. Wir wohnen zwar im dritten Stock, aber so eine Schlagbohrmaschine macht auch über Stockwerke hinweg einen Höllenlärm. Der Meister (zumindest scheint er sich für einen solchen zu halten) meinte aber, das hätte ich nur so dahin gesagt, ich würde eigentlich auf diesen Höllenlärm stehen und wollte nur ein Witzchen machen oder so. Und selbst wenn, es sei halt doof, wenn man renovieren müsse und er müsse renovieren und ich wüsste ja jetzt bescheid und solle gefälligst mein Maul halten. Nun gut, die Hausverwaltung war dann doch eher unserer Meinung, was sie dem Schlagbohrkasper dann auch mitteilten und dann war zumindest in der Mittagszeit Ruhe.

Und was passiert heute? Ganz genau, er greift wieder zum Schlagbohrer. Mal abgesehen davon, dass in der Wohnung inzwischen eigentlich keine Wand mehr stehen dürfte, ist es nun mal Sonntag. Also wieder runter, klingeln, er stürmt raus (oh, an dieser Stelle sollte ich wohl Angst bekommen und flüchten, ist mir aber erst später eingefallen) und begann den unglaublich erhellenden Dialog mit “WAS IS?“. Nun gut, ich sagte ihm was ist: “Es ist Sonntag“. “NA UND?“. Ooookay, ich versuchte ihm also zu erklären, dass die Hausordnung an Sonn- und Feiertagen eben das Bohren und Hämmern untersagt, es Menschen gibt, die am Sonntag gerne in Ruhe daheim bleiben und sich erholen wollen, was bei so einer Geräuschkulisse eben nicht wirklich möglich sei.

Was dann kam wäre ja fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Ich solle ruhig die Hausordnung rufen (?) und überhaupt sei ich ja unhöflich – ich käme da an und würde mich über seinen Lärm beschweren (und der arme Mann muss halt am Sonntag bohren, wie er mehrfach versicherte) ohne mich vorzustellen! 

Jetzt bin ich nun echt kein Knigge-Fetischist, aber ich frage mich gerade, was denn nun da wirklich als unhöflich gilt: neu irgendwo einzuziehen, die eigene Existenz und Anwesenheit über Tage und Wochen ausschließlich mit Hilfe von Schlagbohrmaschine und Hammer anzukündigen oder eben bei so jemanden zu klingeln und darauf hinzuweisen, dass es noch andere Bewohner in diesem Haus gibt? Kennt sich da jemand aus? Mein persönliches Höflichkeitsempfinden würde da ja eher dem Schlagbohrkasper Unhöflichkeit unterstellen…

Es sagt ja niemand was, wenn es mal lauter wird, aber so was kann man ganz einfach und effektiv bekannt machen, so wie die Menschen, die vor einiger Zeit in den vierten Stock eingezogen sind und sich den Nachbarn einfach per Aushang im Aufzug vorgestellt und um Verständnis für die Lärmentwicklung beim Einzug gebeten haben. Ja, so geht es auch…

Und ein Wort an unsere lieben Nachbarn: die Wohnungstür aufzureissen und ein “Was soll der Lärm?” ins Treppenhaus zu rufen ist mindestens so ineffektiv, wie in der eigenen Wohnung so laut über das “A****loch” zu zetern, dass man es im Treppenhaus hört. Wirklich.


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