Vorgeführte Piraten bei YouTube
23. Juni 2009
6 Kommentare
So richtig gut ist das nicht gelaufen für die Piraten, klar… wer sich selbst ein Bild von der Diskussion machen will, der kann das jetzt auch bei YouTube tun (via Nerdcore).
(DirektPiratenDiskussionsrunde)
Das könnte Dich auch interessieren:
- Muppets bei YouTube Ich wusste ja gar nicht, dass es einen offiziellen Muppet-Channel bei YouTube gibt. Jetzt weiss ich es, danke René....
- Piraten in der SPD? Also dafür, dass die Piratenpartei ja angeblich so unwichtig ist, geben sich vor allem Genossen ja doch reichlich Mühe, immer wieder darauf hinzuweisen, wie unwichtig...
- Das ultimative YouTube-Video Sagt zumindest René, also muss ja was dran sein (YouTube-DirektStarSimpsons)...


ich bin selbst autor und muss von dem leben, was ich schreibe. und viele bekannte und freunde von mir schreiben auch für zeitungen und müssen sich mit einem lausigen zeilenhonorar herumschlagen. und wenn sie dann für die zweitverwertung im internet einen kleinen aufschlag verlangen, weil sie ja urheber ihrer geschichte/ihres artikels sind, dann sind sie – nach dem ansatz der piraten – auf einmal die “bösen” feinde des freien internets.
ist euch eigentlich klar, was das heißt? keiner, der professionell vom journalismus leben möchte, wird zukünftig fürs netz schreiben, da man davon nicht leben kann. gleiches problem mit den durch google eingescannten büchern, die zur weltgrößten bibliothek werden sollen, ohne dass dafür die schöpfer der literatur dafür auch nur einen einzigen cent erhalten: gut aus konsumenten(leser-)sicht, schlecht für denjenigen, der mit schreiben seine familie ernähren möchte. und die dritten, die davon betroffen sind, sind die interpreten von songs: welcher künstler macht sich den aufwand mit tonstudio, produktionsmannschaft, songschreiber und texter etc., wenn er dann später keine cds verkaufen kann, weil alle songs illegal im netz angeboten werden?
Ja, geiz ist geil – das kann unsere gesellschaft ganz gut. aber musik, literatur und nachrichten sollen bitteschön nicht nur frei verfügbar sein, sondern auch kostenlos. und da beißt sich der hund in den schwanz, das hat noch nie geklappt und wird auch zukünftig nicht klappen: qualität hat einfach ihren preis.
und noch zur kinderportno-internet-zensur: wenn in den nachrichten ein kinderporno-ring ausgehoben wird und von diesen angefertigte pornografische fotos beschlagnahmt werden, dann freuen sich alle. und nur weil es jetzt im web passiert, ist es auf einmal verwerflich. ich meine: hallo, es geht um harte straftaten, entführung, sexueller missbrauch, vergewaltigung von kindern, verbreitung illegaler pornografie und nicht um falsches parken oder so. und ich erwarte einfach, dass der staat seinen verpflichtungen nachkommt und mich und meine familie und kinder schützt – genau dafür behält er nämlich von dem bisschen, was ich jeden monat verdiene, auch noch einen teil ein. nicht mehr und nicht weniger.
wenn sperren im internet (die ich auch kaum erträglich finde) dazu beitragen, dass die verbreitung (und damit die befriedigung der nachfrage) nach kinderpornografie eingedämmt wird, dann finde ich das letztendlich in ordnung. und natürlich stelle ich mir die frage, wie ein vernünftiger mensch überhaupt zu der überzeugung kommen kann, der staat muss/soll/darf nichts gegen das verbreiten von kinderpornos machen. ich miene, man kann ja über den weg streiten, aber grundsätzlich und für alle zukunft alle denkbaren optionen fürs internet ausschließen? aber wenn ich mir anschaue, wer sich jetzt alles unter der fahne der piraten tummelt, dann sollte ich vielleicht aufhören, mir ebendiese fragen zu stellen…
[...] http://www.kamikaze-demokratie.de/2009/06/23/vorgefuhrte-piraten-bei-youtube/comment-page-1/#comment... [...]
“simplizissimus” ist echt passend…
Nö, bist Du nicht – Du bist der Urheber, es steht Dir frei Deine Werke zu welchen Preisen wem auch immer anzubieten…
Was haben die Mönche gesagt, als plötzlich der Buchdruck kam und sie nicht mehr die Wahrer und Hüter des Wissens waren? Na? Oder – um mal auf das Video oben zurück zu kommen – die Postkutscher als die Eisenbahn kam? Die Welt verändert sich nun mal und es wird Zeit, dass das Urheberrecht der veränderten Welt angepasst wird statt – wie es derzeit versucht wird und auch schon stattfindet – als Werkzeug benutzt zu werden, um die nicht mehrzeitgemäßen Geschäftsmodelle der Rechte-Verwerter zu schützen. Wenn sich die Welt so verändert, dass mein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, dann muss ich mein Geschäftsmodell anpassen und nicht von der Politik verlangen, die Veränderungen gesetzlich so zu bremsen und zu verbiegen, damit mein Geschäftsmodell überleben kann. Urheber müssen sich nun mal mit der veränderten Welt zurecht finden – und viele sind inzwischen der Meinung, dass das nicht funktionieren kann, indem man sich an alte Geschäftsmodelle klammert und versucht diese mit Hilfe von Gesetzen gegen die Entwicklung zu zementieren. Und es hat doch auch schon geklappt, oder wie war das mit Audio- und Videokassetten? Sollten die nicht den Untergang der Musik und des Films mit sich bringen? Nein, auch da hat man Wege gefunden, unter anderem durch eine Art Flatrate mit den Abgaben auf Leermedien wurde ein Ausgleich geschaffen für das, was nicht ohne unverhältnismässige Eingriffe in Bürgerrechte zu verbieten war. Und solche Vorschläge gibt es auch heute, schon mal von der “Kulturflatrate” gehört?
Die Welt ändert sich nun mal und das immer schneller und man muss sich eben überlegen, ob man seine Energie lieber darin investiert um jeden Preis alte Geschäftsmodelle zu retten oder ob doch lieber darin, neue Wege in der veränderten Welt zu finden… Die Piraten haben sich für den zweiten Weg entschieden, meiner Meinung nach der einzige Weg, der langfristig Erfolg bringen wird.
Aber das passiert ja im Web nicht: die Inhalte werden gelassen wo sie sind, die Täter werden sogar noch gewarnt, dass man ihre Server entdeckt hat und es wird einfach nur ein Vorhang davor gehängt – aus den Augen aus dem Sinn.
Ja aber er tut ja nicht, was Du vom Staat erwartest, im Gegenteil: durch diese Sperren werden auch Deine Grundrechte beeinträchtigt (dazu später mehr), es wird nicht einem Kind geholfen und nicht ein Täter durch die Sperren ermittelt – im Gegenteil: durch diese Sperren werden die Täter frühzeitig gewarnt und können sich ganz flott neue Server suchen. Daraus wird ein Katz- und Maus-Spiel, bei dem die Katze (der Staat) der Maus (dem Täter) auch noch einen bequemen Vorsprung einräumt. Das erwartest Du vom Staat? Straftäter zu warnen und die Verbrechen einfach zu verstecken, statt sie zu verhindern? Nicht wirklich, oder? Und dann kommt jemand wie der AK Zensur und innerhalb kürzester Zeit sind Server, die seit Wochen und Monaten auf Zensur-Listen stehen abgeschaltet. Was haben die getan? Einfach eine Mail an die zuständigen Provider geschickt! Nicht mehr, eine einfache Mail, die Provider schauen nach, schalten die Server ab und weg ist das Zeug. Nicht durch Zensur versteckt, sondern gelöscht! Und auf gelöschte Inhalte kann man nicht zugreifen – im Gegensatz zu Inhalten, die nur durch einen Vorhang verdeckt sind.
Noch mal: mit diesem Gesetz wird nichts, aber auch gar nichts unternommen, die Verbreitung oder gar die Herstellung von Kinderpornografie zu verhindern, im Gegenteil (siehe oben). Die Gegner dieses Gesetzes sind im Gegenteil dafür, dass *wirksam* etwas gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch unternommen wird und das ist möglich, ohne wie bei diesem Gesetz eine Zensur einzuführen, noch dazu eine Geheimzensur von einer Behörde, die gar nicht die Aufgabe hat zu entscheiden, was strafbar ist und was nicht. Und daran ändert auch diese “Kontrolle” nichts, die ist bildlich gesprochen nicht mal ein Feigenblatt. Überleg doch mal, wo die Bilder und Filme herkommen – oder besser: informiere Dich ein wenig und glaube nicht die Mär der Familienministerin – die nachweislich keine Ahnung hat von dem Thema – von den großen kommerziellen Kinderpornoproduzenten, die Kinder entführen, um sie zu missbrauchen. Das traurige ist: die meisten Missbrauchsfälle passieren innerhalb von Familien! Und dort entsteht auch das meiste Material, dass dann am Ende auf den besagten Server zu finden ist… und dort wird es dann von den Behörden in Zukunft versteckt, statt es zu löschen und statt zu ermitteln, welches Kind da abgebildet ist. Das Kind wird sicher sehr dankbar sein über ein Gesetz, dass die Dokumentation des eigenen Leids einfach nur versteckt. Aus den Augen aus dem Sinn.
Oder wäre so ein Kind am Ende nicht vielleicht dankbarer für effektivere Ermittlungsmethoden, die dazu führen, dass kein Missbrauch mehr stattfindet…
Und wegen dem Grundrechtseingriff: es kommen ja schon reichlich Forderungen, was sonst noch so alles gesperrt werden soll. Angebliche “Killerspiele”, Urheberrechtsverletzungen, illegale Glücksspiele, normale Pornografie usw. Und alles vom BKA? Ohne richterliche Kontrolle? So was nennt man Zensur. Und wenn irgendwo mit der Zensur angefangen wird, dann geht das schnell weiter. Kann man ja prima sehen in den Ländern, die schon eine Zensur haben – dort sind nicht nur kinderpornografische Seiten auf den Zensurlisten, sondern auch Seiten von Menschen, die sich kritisch mit der Zensur auseinandersetzen. Das geht ganz schnell… Möchtest Du tatsächlich in einem Land leben, in dem man jederzeit damit rechnen muss, dass die eigene Meinung vom Staat zensiert und unterdrückt wird, nur weil sie vielleicht unbequem ist?
hi carsten, antwort gibt es hier…
http://simplizissimus.wordpress.com/2009/06/23/urhebenrrechte-im-internet/#comment-9
viele grüße & danke für die schnelle reaktion,
simplizissimus
[...] finde ich die Diskussion bei Simplizissimus, die ihren Anfang bei Kamikaze Demokratie genommen hat, bis jetzt ziemlich spannend. Sollte ich auch, sonst wäre es ja dumm sie zu führen [...]
hallo, automatisches trackback hat nicht geklappt, deshalb nochmal eine inhaltliche anmerkung so:
Urheberrechtsreform der Piraten – Ideen und Irrtümer
Ich hatte heute Nachmittag die Zeit, mich nochmal intensiv mit dem Programm der Piratenpartei auseinanderzusetzen. Insbesondere das, was die Piraten zum Urheberrecht und der (nicht-)kommerziellen Vervielfältigung schreiben, ist interessant. Ich zitiere mal ein paar Passagen und kommentiere diese gleichzeitig…
http://simplizissimus.wordpress.com/2009/06/24/irrtumer-der-urheberrechtsreform-der-piraten/