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Schwarzer März

Kurzes Update mal vorne weg gestellt: Wir sammeln gerade Ideen für einen bunten statt schwarzen März, was so ungefähr damit gemeint ist steht ja unten im Text, für die Ideensammlung gibt es jetzt eine Facebook-Seite (ja, Datenkrake und so, aber das ging jetzt am schnellsten, eine richtige Seite folgt noch :) ).

Schwarzer März

Eine neue Sau wird durch’s Dorf getrieben Ein neues Bild wird durch Facebook geteilt und mal wieder frage ich mich: Ist Denken tatsächlich so anstrengend? Woran liegt es, dass so viele einfach mal alles teilen?

Ich höre es schon: „Hey, es geht gegen ACTA und Du findest ACTA doch auch doof!“ Ja, auch ich finde ACTA reichlich doof und auch ich bin der Meinung, dass eine massive Überarbeitung der Urheberrechtsgesetze dringend nötig ist, bei der sowohl die Rechte und Interessen der Urheber als auch die der Nutzer im Vordergrund stehen und nicht die Rechte und Interessen der Verwerter. Und ich weiss, dass so eine Überarbeitung durch ein Abkommen wie ACTA mindestens massiv erschwert oder gleich unmöglich würde. Daher muss ACTA verhindert werden! Damit bin ich einverstanden, dafür gehe ich auch mit auf die Strasse. Aber die Idee „Schwarzer März“ ist doch wohl nur ein richtig kräftiger Griff ins Klo!

So in den ersten 50 Millisekunden mag die Idee ja durchaus charmant sein: Man kauft einen Monat lang keine CDs, Filme, Bücher, Spiele und Magazine, geht nicht ins Kino (und auch nicht zu Konzerten?) und sorgt so für einen gehörigen Umsatzeinbruch bei den bösen Konzernen, einen Einbruch bei den Steuereinnahmen und trifft die ganzen ACTA-Befürworter dort, wo es weh tut: Am Geldbeutel. Toller Plan… der nur dummerweise einen Haken hat.

Wie es im Filmgeschäft aussieht kann ich nicht sagen, aber wenn es um Musik und Bücher geht, gibt es zwar einige richtig dicke Fische, aber eben auch sehr sehr viele kleine: Das sind Bands, die ihre Musik ohne Label (oder über ein eigenes) selbst vermarkten (oder es versuchen), die kleinen Labels, die sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung arbeiten, kleine Verlage, zum Teil Ein-Personen-Unternehmen, Anbieter von freier Musik… die Liste könnte ich noch lange fortsetzen.

Und mal ganz ehrlich, was glaubt Ihr denn, wen so ein Boykott am heftigsten treffen würde? Die großen Unternehmen, mit Finanzpolstern und hunderten, wenn nicht tausenden Künstlern unter Vertrag oder die kleinen Labels und Bands, die sowieso schon kämpfen müssen, um zu überleben und ganz bestimmt keinen Euro in Lobbyisten für so einen Mist wie ACTA ausgeben? Wie sehr würde es Amazon treffen und wie wären die Auswirkungen für die kleine Buchhandlung in der Stadt?

Warum also nicht statt dem „Schwarzen März“ einen „Bunten März der Neuentdeckungen“ veranstalten? Statt zu boykottieren einfach mal neues entdecken! Schaut Euch mal abseits der Kaufempfehlungen bei Amazon und iTunes um, schaut  Euch doch mal bei Jamendo nach freier Musik um! Schaut mal abseits der bekannten Pfade nach neuen Büchern, neuer Musik… guckt mal, was so an Konzerten in kleinen Läden bei Euch in der Nähe stattfindet und geht einfach mal auf gut Glück auf ein Konzert! Sucht bei Google mal nach Bands aus Euerer Umgebung, wer weiss wie viele grandiose Musiker sich praktisch direkt vor Eurer Haustür den Arsch abspielen, ohne dass Ihr davon etwas mitbekommen habt? Wann wart Ihr das letzte Mal bei einem Konzert einer Band, die Ihr vorher nicht kanntet? Klar, man kann dabei echt daneben liegen, aber es kann auch mal ein echter Volltreffer dabei sein.

Setzt einen großen, dicken Haufen auf das Zeug, was Euch eh ständig in der Werbung um die Ohren gehauen wird. Sucht nach neuer Musik und neuen Büchern und lasst Euch wenigstens mal einen Monat lang nicht von der Werbung erzählen, was Ihr gut finden müsst. Kauft mal einen Monat lang nicht einfach das, was im Chart-Regal im Mediakaufstadtsaturnmarkt steht oder Euch von Amazitunes als der neueste Hit angepriesen wird. Und warum eigentlich nur einen Monat lang? Warum nicht länger? Warum nicht wieder ein bisschen Zeit in die Suche nach der nächsten Lieblingsband investieren?

Ja und ACTA? Was kann man denn nun konkret dagegen tun?“ Was man gegen ACTA tun kann? Einiges, was deutlich sinnvoller ist, als Boykottaufrufe zu teilen: Geht am Samstag auf die Strasse, schreibt Mails an Eure Abgeordneten, an die Parteien, erzählt anderen Menschen von ACTA, verteilt Links zu Informationsseiten, auf denen die sich über das Abkommen informieren können, beteiligt Euch an den Aktionsgruppen vor Ort… das macht alles mehr Aufwand als ein Klick, klar, aber es bringt auch mehr!

Update: Da gibt es auch noch eine Petition

Kein schwarzer März „Schwarzer März“-Protestbild von Mathias.

Autor: dobschat

Apple-Produkte nutzender Musik-, Technik- und Shirt-Blogger und Pirat, der hier vor allem Privatkram ablädt (aber nicht nur). Arbeitet vor allem mit und für Bands, für Politiker und verkauft Schnaps.